Vulkane, Sandstrände, Urwald, Bergflüsse, Hochebenen und alpines Berggelände: Die Verschiedenartigkeit der Natur macht die Insel La Réunion zu einem ausgezeichneten Ziel für fotografische Exkursionen

Unterwegs: La Réunion

Auf einer relativ kleinen Fläche von ca. 2.500 km² bietet die Insel La Réunion die Vielfalt eines ganzen Kontinents: weiße Sandstrände, Urwald, Bergflüsse, Hochebenen und alpines Berggelände (der höchste Berg ist der Piton des Neiges mit über 3.000m). Der Vulkan Piton de la Fournaise ist einer der aktivsten Vulkane der Welt. Diese Verschiedenartigkeit der Natur macht die Insel La Réunion zu einem ausgezeichneten Ziel für fotografische Exkursionen.

Mitten im Indischen Ozean, 800 km östlich von Madagaskar, bildet die Insel La Réunion mit Mauritius und Rodriguez die Inselgruppe der Maskarenen. Drei natürliche Talkessel prägen das Gesicht der Insel La Réunion: Mafate, Salazie und Cilaos. Der Großteil dieses einzigartigen Landschaftsbildes ist durch einen Nationalpark geschützt. Die Vulkanlandschaften, Talkessel und Hochebenen der Insel wurden 2010 von der UNESCO mit dem Titel „Weltnaturerbe“ ausgezeichnet.

Obwohl das öffentliche Bussystem eigentlich gut ist, wird man als Fotograf trotzdem der Unabhängigkeit den Vorzug geben und einen Mietwagen nehmen. Schon weil es auf Réunion – zumindest in höher gelegenen Regionen – günstig ist, frühmorgens und spätabends zu fotografieren, denn um die Mittagszeit treibt der Meereswind feuchte Wolken gegen die Berge.

Hauptschwierigkeit für Europäer ist die lange Anreise (etwa 10.000km ab München) und der damit verbundene Flugpreis. Diese Schwierigkeit und die Tatsache, dass die Insel trotz traumhafter Lage nur wenige (dann aber sehr tolle) Sandstrände zum Baden aufweist, verschont die Insel wohl auch in Zukunft vor dem echten Massentourismus.

Auf der Insel selbst kann man sich relativ günstig mit Lebensmitteln versorgen – die Preise für 60 Grundnahrungsmittel und auch für Benzin werden staatlich (auf niedrigem Niveau) festgelegt. Auch preiswerte Unterkünfte sind gut zu finden. La Réunion gehört direkt zu Frankreich, weshalb man hier bequem mit Euro bezahlen kann.

An der Vulkanküste
Canon EOS 5D Mark III, 40mm, 1/100s, f8, iso400
La Réunion kann an fast keiner Stelle seinen vulkanischen Ursprung verbergen. Insbesondere an den Küsten und in den Gebirgsregionen bildet die erstarrte Lava bizarre Formationen und trifft wie hier auf den rauen Indischen Ozean.
Kürzere Verschlusszeiten betonen den Wellengang.
Feuchtes Vergnügen
Canon EOS 5D Mark IV, 105mm, 1/320s, f7.1, iso200
Das Brechen der Wellen am Vulkangestein zu beobachten, ist insbesondere an windigen Tagen ein Vergnügen. Wenn man sich aber etwas zu nahe heranwagt, kann es unerwartet aber auch zu einer durchaus feuchten Angelegenheit werden … die Gischt muss über eine kurze Verschlusszeit eingefroren werden.
Gezeitenpool
Canon EOS 5D Mark III, 40mm, 1/100s, f8, iso400
An der Vulkanküste bilden sich an manchen Stellen durch die ideale Mischung zwischen Frischwasserzufuhr und mäßiger Strömung Gezeitenpools voll mit buntem Leben wie Korallen, See-Anemonen, Seesternen, Fischen und Krabben.
Surfen mit Gefahrenzulage
Canon EOS 5D Mark IV, 400mm, 1/1600s, f6.3, iso400
Die Insel bietet eigentlich etliche schöne Spots zum Surfen. Eigentlich – denn an den meisten Stellen ist das Surfen wegen immer wieder vorkommender Hai-Attacken grundsätzlich verboten. An den durch ein Riff geschützten Küstenabschnitten ist es erlaubt – aber das Riff hält dort nicht nur Haie, sondern auch die großen Wellen ab.
Die große Entfernung und die Geschwindigkeit der Bewegung erfordern eine extrem kurze Verschlusszeit.
Blumenparadies
Canon EOS 5D Mark III, 40mm, 1/200s, f9, iso400
Die Insel ist durch ihre ganzjährig angenehmen Temperaturen auch ein Blumenparadies. Was andernorts mühsam gepflanzt werden müsste, wächst hier fast wie Unkraut entlang der Straße.
Fledermaus-Blumen
Canon EOS 5D Mark IV, 62mm, 1/600s, f10, iso400
Die Insel beherbergt auch etliche sehr exotische Pflanzen, die in unseren Breiten nicht vorkommen. Wer sich hier fotografisch austoben will, dem sei das botanische Wunderreich des „Jardin des Èpices et des Parfums“ bei St. Philippe empfohlen.
Primär-Regenwald
Canon EOS 5D Mark III, 24mm, 1/20s, f9, iso400
La Réunion verfügt über einen ausgedehnten Gürtel an Primär-Regenwald, also Waldgebiete, die noch niemals vom Menschen verändert wurden. Die „Schattenseite“: Die Waldgebiete um Takamaka halten mehrere Regen-Weltrekorde und sind in ihrer Ursprünglichkeit für Menschen praktisch unzugänglich.
Baumfarne
Canon EOS 5D Mark III, 32mm, 1/40s, f13, iso200
In den höheren Gebirgsregionen herrscht dagegen lichtere Vegetation. Hier ist das Reich der Baumfarne, die bis zu zehn Meter hoch werden können und mächtige Blattdächer ausbilden.
Kirche in Cilaos
Canon EOS 5D Mark III, 67mm, 1/80s, f16, iso200
Die Religionen (hauptsächlich, Moslems, Hindus und Christen) leben auf Réunion friedlich nebeneinander – in Zeiten fundamentalistischer Hetzer keine Selbstverständlichkeit (mehr). Hier sehen wir die katholische Kirche im alpinistischen Zentrum der Insel, Cilaos, mit blühendem Jacaranda vor dem Grand Benare, 2.898m.
Eine kleine Blende erzeugt die gewünschte Schärfentiefe.
Cirque de Salazie
Canon EOS 5D Mark III, 24mm, 1/160s, f10, iso400
Von der Gite de Bebour aus eröffnet sich ein morgendlicher Blick über den Talkessel von Salazie bis zum höchsten Berg der Insel, dem Piton des Neiges (3.069m). Dieser Platz gehört für den Autor mit zu den schönsten Aussichtsplätzen der Insel. Eine Übernachtung auf dieser Hütte (reservieren!) sollte von Fotografen deshalb eingeplant werden; die besten Fotospots sind dort sehr leicht zu finden.
Vollmond über Salazie
Canon EOS 5D Mark III, 15mm Fisheye, 15s, f4.5, iso400
Ebenfalls von der Gite de Bebour aus fotografiert, beleuchtet der Vollmond den Talkessel. Neben dem Piton des Neiges links sind rechts vom Mond noch die Berge Dimitiles und Roches Ecrites zu sehen. Die lange Verschlusszeit lässt den Mond sonnenartig wirken.
Milchstraße über dem Cirque de Mafate
Canon EOS 5D Mark IV, 16mm, 25s, f6.3, iso3200
Der Talkessel von Mafate ist nicht durch Straßen erschlossen; man erreicht ihn nur zu Fuß oder per Hubschrauber. Die Stromversorgung erfolgt über Aggregate oder Solarmodule. Der Nebeneffekt: Es gibt fast kein störendes Kunstlicht hier. Der Sternenhimmel lässt sich entsprechend gut fotografieren (Kameras mit hoher ISO-Fähigkeit sind hier im Vorteil). Nur die feiernden jungen Leute im Nebengebäude wollten partout das Licht nicht ausmachen …
Sonnenaufgang am Vulkan
Canon EOS 5D Mark III, 15mm Fisheye, 1/15s, f22, iso200
Zu den im wahrsten Sinne Highlights der Insel gehört der Besuch am Vulkan Piton de la Fournaise. Schon zu Sonnenaufgang oben am Aussichtspunkt Pas de Bellecombe zu sein, ist fotografisch besonders lohnend.
Starkes Abblenden betont den Sonnenstern.
Formica Leo
Canon EOS 5D Mark III, 80mm, 1/80s, f10, iso200
Nach dem Abstieg vom Pas de Bellecombe erreicht man im äußeren Krater einen eigentümlichen Haufen, den nach dem Bau eines Ameisenlöwen benannten Formica Leo. Seine bunten Gesteinsformationen bilden einen fotografisch seltsam anmutenden Kontrast zur dahinter aufragenden, bewachsenen Kraterwand. Das Morgenlicht verstärkt den Effekt.
Riviére des Remparts
Canon EOS 5D Mark III, 24mm, 1/80s, f9, iso200
Welche Urgewalten die Insel geformt haben, erkennt man vor allem aus dem Helikopter. Hier mutet es an, als ob ein Riese mit der Axt die über 1.000m tiefe Schlucht des Riviére des Remparts geschlagen hätte. Auch wenn ein solcher Inselrundflug nicht ganz günstig ist, sei er doch allen Fotografen tief ans Herz gelegt.
In der Unterwelt
Canon PowerShot G5 X, 24mm, 1/60s, f6.3 +0.7EV, iso400
Besonders interessant ist auch eine Tour durch die Unterwelt: Man kann Führungen durch die Lavatunnel auf der Ostseite der Insel, an der Grand Brulee, buchen (auf eigene Faust sollte man keinesfalls losziehen!). Die Gänge durch die erstarrte Lava erweisen sich als wahre Zauberwelt. Weil man aber vielfach auch durch sehr kleine Gänge kriechen muss, empfiehlt es sich, bei solchen Touren die große Kameraausrüstung gegen eine kompaktere Variante einzutauschen.
Kardinal
Canon EOS 5D Mark III, 400mm, 1/320s, f5.6, iso400
Die Tierwelt auf Réunion ist recht überschaubar. Sehr positiv: Es gibt keine giftigen Tiere. Am häufigsten wird man der Tierwelt durch die Begegnung mit Vögeln entgegentreten. Den Kardinal sieht man auf der Insel zwar recht häufig, aber das heißt nicht, dass es einfach ist, ihn zu fotografieren: Zu scheu verhalten sich die roten Knäuel. Viel Fotografen-Geduld und lange Brennweiten sind gefragt.
Mauritius-Meise
Canon EOS 5D Mark IV, 400mm, 1/3200s, f5.6, iso400
Dieser (wie der Name schon sagt) aus Mauritius eigewanderte Vogel ist ebenfalls sehr scheu, was man ihm aber nicht verdenken kann: Er schädigt die Früchte in den Plantagen und wird deshalb von den Landwirten gejagt. Auch ihn wird man deshalb meist nur mit langen Brennweiten und kurzen Verschlusszeiten im Flug zu fassen bekommen.
Weißschwanz-Tropikvogel
Canon EOS 5D Mark IV, 400mm, 1/3200s, f5.6, iso400
Einer der schönsten Vertreter der Tierwelt Reunions ist gleichzeitig mit am schwersten zu fotografieren, weil die Vögel fast den ganzen Tag nur im Flug verbringen und sich dabei recht schnell bewegen. Ein guter kontinuierlicher Autofokus, eine lange Brennweite und eine kurze Verschlusszeit sind hier fast unabdingbare Voraussetzungen für fotografische Treffer.
Endormi express
Canon EOS 5D Mark IV, 105mm, 1/1000s, f4.5, iso200
Diese Chamäleon-Art trägt seinen Beinamen, weil es sich für ein Tier seiner Gattung erstaunlich schnell bewegen kann. Wenn es sich aber so gut präsentiert wie hier auf einer Holzabgrenzung, dann ist man auch als Fotograf leicht schnell genug. Die sehr kurze Verschlusszeit ist nur der gewünschten großen Blende zur Freistellung des Motivs und der starken Sonneneinstrahlung geschuldet.
Chamäleon im Schilf
Canon EOS 5D Mark IV, 400mm, 1/400s, f5.6, iso800
Wesentlich langsamer als das Endormi ist diese Gattung der Chamäleons. Die (sehr schwere) Hauptaufgabe besteht zunächst darin, es im Schilf zu entdecken; dann hat der Fotograf alle Zeit der Welt. Wichtig: Fotografieren, aber so wenig wie möglich die Tiere stören!
Am Cap Mechant
Canon EOS 5D Mark IV, 16mm, 0.6s, f22, iso100
Einer der beeindruckendsten Orte an der Lava-Steilküste ist das Cap Mechant bei St. Philippe. Er erweist sich als wahrer Spielplatz für Fotografen.
Hier wurde mit kleiner Blende und niedriger ISO die Belichtungszeit verlängert, um die Dynamik der anbrausenden Wellen einzufangen.
(Und ein kleiner Tipp, nach getaner Fotografenarbeit: Das Restaurant direkt am Cap ist ausgezeichnet und doch relativ preisgünstig.)

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