Wie ein japanischer Künstler die Wahrnehmung austrickst – und der Fotograf dabei hilft

Schatten.Licht.Struktur.

Ausstellung von Koji Shibazaki im Museum Fünf Kontinente, München

Schicht für Schicht

Schon der Titel der Ausstellung muss Fotografen hellhörig machen, denn exakt um diese Trilogie dreht sich vieles in der Fotografie: Schatten, Licht und Struktur. Diese Dreifaltigkeit bestimmt, ob wir unsere Umwelt flächig oder dreidimensional wahrnehmen. Und der Künstler beherrscht dieses Spiel mit unserer Wahrnehmung exzellent: Papierkunst in Vollendung.

Zweidimensionales Werk, dreidimensionaler Eindruck:
Shibazaki lässt uns Räumlichkeit wahrnehmen

Schon der Ausstellungsraum trägt mit seiner sehr zurückgenommenen Beleuchtung dazu bei, sich ganz auf die Wirkung der Kunstwerke konzentrieren zu können: Neben der Notbeleuchtung ist es nur die Beleuchtung des jeweiligen Kunstwerks selbst, die den Raum erhellt.

Kaum Lichtquellen außer den Kunstwerken selbst

Neben der Tatsche, dass der Betrachter so nicht abgelenkt wird, sorgt die zurückgenommene Ausleuchtung noch für einen weiteren Effekt: Die im Werk dunklen Teile verschwinden weitgehend und erhöhen so die Magie der sichtbaren Elemente.

Ein Werk in der Totalen …
… und im Detail

Da das Auge aber die Helligkeit mit der Zeit adaptiert, kann der Fotograf in der Wirkung noch nachhelfen: Durch eine sparsame Belichtung (in den meisten Fotos hier um zwei Blenden zurückgenommen) wird der Effekt verstärkt und auf die hellen Bildteile gelenkt. In manchen Fotos entsteht so der Eindruck der Dreidimensionalität sogar noch intensiver als vor Ort.

Schwebende Form in drei Dimensionen

Shibazaki beherrscht das Spiel zweidimensional/dreidimensional virtuos. Man verneigt sich davor, wieviel Wissen und Erfahrung um die Wirkweise unserer Wahrnehmung in den Kunstwerken steckt – und nur so ist es möglich, unser Auge und Gehirn auf diese Weise zu „betrügen“. In etlichen Werken wird man daher auch an die Werke von M.C. Escher erinnert (und es würde nicht überraschen, wenn Shibazaki dessen Werke studiert hätte).

„Circles“

Die Ausstellung sei deshalb allen Kunstinteressierten und insbesondere auch Fotografen empfohlen: Einen klareren Zugang zu der Wirkweise der bildbestimmenden Elemente Schatten, Licht und Struktur wird man schwer finden können.

Die Beleuchtung der Kunstwerke befindet sich zumeist im Werk selbst – das bewirkt allerdings eine recht unausgewogene Ausleuchtung: Das Überstrahlen der Lichtquelle im Verhältnis zum Rest lässt sich nur durch das nachträgliche Bearbeiten mit digitalen Verlaufsfiltern in den Griff bekommen (hier mit Lightroom erledigt).

Zum Schluss noch ein Wort zum Museum Fünf Kontinente: Der Autor war zum ersten Mal dort – und sicher nicht zum letzten Mal. Sehenswert (nicht nur für Fotografen) wäre sicherlich auch die derzeitige Ausstellung „Fragende Blicke. Neun Zugänge zu ethnografischen Fotografien„, die ich aus Zeitmangel nicht mehr „mitnehmen“ konnte. Man darf dort nach Lust und Laune (aber ohne Blitz oder Stativ) fotografieren. Und das Museum hat auch die Erlaubnis erteilt, die Fotos hier im Blog zu veröffentlichen – herzlichen Dank dafür!

Und zudem ist das Personal im Museum so nett und freundlich, wie man es in (Münchner) Museen eher selten antrifft (wo ja sonst ein gewisser Grund-Grant vorherrscht). Ein Lob dem Personal!

Nachfolgend weitere Impressionen aus der Ausstellung:

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